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Takeda GmbH Singen - Pharmazeutische Entwicklung und Produktion aus einer Hand

Vom Magenschutzmittel bis zum Wirkstoff gegen Atemnot bei Frühgeborenen - der Singener Firmenstandort der Takeda GmbH spielt als Kompetenzzentrum für Medikamente in flüssiger und halbfester Darreichungsform eine wichtige Rolle im weltweiten Verbund des japanischen Pharmakonzerns. Neben der Produktion von rund 68 Millionen Packungen pro Jahr findet hier auch Medikamentenentwicklung statt. Im hauseigenen „CMC Center“ werden bestehende Arzneimittel weiterentwickelt und neue Darreichungsformen und Anwendungsgebiete für bekannte Wirkstoffe erarbeitet.

Bei der Entwicklung eines wirksamen Medikaments für eine bestimmte Indikation ist nicht nur der enthaltene Wirkstoff, sondern auch die Art der Verabreichung entscheidend. Je nach Wirkstoff und Anwendungsgebiet kann diese entweder in Tablettenform, als Infusion oder auch als Salbe erfolgen. Da diese sogenannte Darreichungsform jeweils spezielle Anforderungen an die Entwicklung und Produktion der Medikamente stellt, hat sich der Singener Standort des Pharmaunternehmens Takeda nicht auf bestimmte Medikamente, sondern bestimmte Darreichungsformen spezialisiert. „Vereinfacht gesagt werden hier Medikamente entwickelt und produziert, die beispielsweise als Infusion oder Nasenspray in den Körper des Patienten gelangen“, erklärt Standortleiter Dr. Jürgen-A. Mahling.

Der japanische Takeda-Konzern ist eines der global führenden Unternehmen der Pharmabranche und ist seit 2011 durch die Übernahme des Pharmaunternehmens Nycomed auch in Süddeutschland angesiedelt. Der Standort in Singen ist der größte des Konzerns in Deutschland, das als einer der wichtigsten Pharmamärkte Europas und gleichzeitig als Referenzland im europäischen Pharmamarkt für Takeda einen hohen Stellenwert hat. Mit rund 68 Millionen produzierten Packungen pro Jahr deckt die Produktionsstätte in Singen einen nennenswerten Teil des weltweiten Bedarfs an flüssigen und halbfesten Medikamenten ab. „Hier wird überwiegend für die internationalen Märkte produziert, nur zwei Prozent der hergestellten Arzneimittel sind für Patienten in Deutschland“, erläutert Mahling.

CMC Center: Neue Anwendungen für bekannte Wirkstoffe

Die Takeda GmbH in Singen produziert jährlich rund 68 Millionen Packungen flüssiger und halbfester Medikamente. © Takeda GmbH

Bei den Produkten aus Singen handelt es sich generell um aseptische, gefriergetrocknete, nicht-sterile flüssige und halbfeste Darreichungsformen, wie beispielsweise das Magenschutzmittel Pantoprazol für die intravenöse Applikation. Neben der Produktion verfügt Takeda in Singen aber auch über ein „CMC Center“ (Chemistry, Manufacturing and Control), das an der Entwicklung neuer und der Weiterentwicklung bestehender Arzneimittel arbeitet. Generell sind solche CMC-Abteilungen in Pharmaunternehmen für die präklinische Untersuchung und Dokumentation der physikochemischen Eigenschaften von neuen Medikamenten-Kandidaten zuständig.

Innerhalb des weltweit agierenden CMC Centers von Takeda mit großen Standorten in Japan und den USA ist das Singener CMC Center auf die Entwicklung nasaler, inhalativer und dermaler Darreichungsformen spezialisiert, also Sprays, Aerosole und Salben. Aktuell arbeiten hier etwa 30 Mitarbeiter in den Bereichen analytische und pharmazeutische Entwicklung, Projektmanagement und Qualitätssicherung. „Wir machen hier zwar keine klassische Wirkstoff-Forschung im Sinne der Entdeckung neuer Substanzen, es werden aber durchaus neue Produkte entwickelt“, erläutert Dr. Daniela Bundschuh, die unter anderem für das CMC Center in Singen verantwortlich ist. So wird an der Entwicklung von neuen Darreichungsformen mit bereits vorhandenen Wirkstoffen aus der Takeda-Forschung gearbeitet sowie an der Weiterentwicklung von Produkten, die sich schon auf dem Markt befinden.

„Zurzeit wird zum Beispiel intensiv an der Entwicklung einer Salbenformulierung gearbeitet, die zur Behandlung entzündlicher Hautkrankheiten wie Schuppenflechte und Neurodermitis eingesetzt werden kann“, erklärt Bundschuh. Die Wirkstoffe, die dabei verwendet werden, stammen aus der Takeda-Forschung und haben ihre antientzündliche Wirksamkeit bereits in anderen Bereichen unter Beweis gestellt. „In ersten klinischen Tests an Patienten mit Schuppenflechte und atopischer Dermatitis konnte bereits eine sehr gute Wirksamkeit nachgewiesen werden“, schildert sie weiter. Im Bereich nasaler und inhalativer Darreichungsformen werden derzeit Produkte weiterentwickelt, die sich bereits auf dem Markt befinden, beispielsweise ein elektronisch gesteuertes Nasenspray gegen Durchbruchschmerzen bei Krebspatienten. Eine weitere wichtige Aufgabe des CMC Center Singen ist die Erzeugung eines biotechnologisch hergestellten Wirkstoffs, der zum Beispiel für die Behandlung des Atemnotsyndroms bei Frühgeborenen eingesetzt werden kann.

Als relativ kleine Einheit ist das CMC Center Singen bei seiner Arbeit auf eine intensive Kooperation mit externen Firmen angewiesen, da längst nicht alle notwendigen Technologien intern vorgehalten werden können. „Deshalb gibt es insbesondere bei der Entwicklung neuer technischer Geräte und Analytik bereits zahlreiche Kooperationen mit kleinen und mittleren Unternehmen sowohl aus der Region wie auch international“, so Bundschuh.

Produktion und Entwicklung profitieren voneinander

Bernd Häusler (Oberbürgermeister Singen), Kim Konradsen (Vice President Operations Liquid & Steriles Europe, Takeda) und Dr. Jürgen-A. Mahling (Standortleiter Singen, Takeda) beim Richtfest des neuen Produktionsgebäudes, das 2015 seinen Betrieb aufnehmen soll. © Takeda GmbH

Die inhaltlich getrennten Bereiche Produktion und CMC Center sind am Standort in Singen aber nicht nur durch die räumliche Nähe und die gemeinsame Nutzung der Infrastruktur miteinander verbunden. Darüber hinaus liefern die Produktionsbereiche in erheblichem Maße technische Unterstützung - zum Beispiel für die Anlagenqualifizierung, das mikrobiologische Monitoring und die Qualitätskontrolle. Auch werden Auftragsanalysen sowie Freigabeuntersuchungen von Rohstoffen und fertigen Formulierungen für das CMC Center Singen durchgeführt. Im Gegenzug werden dessen Kompetenzen auch direkt in der Produktion genutzt. „Erst jüngst konnte das CMC Center die Zuverlässigkeit der Charakterisierung eines Wirkstoffes mit einer neuen Analysemethode stark verbessern“, erläutert Mahling die Wechselwirkungen zwischen beiden Bereichen.

Gestärkter Standort durch neues Produktionsgebäude

Mit aktuell rund 600 Mitarbeitern in der Medikamentenproduktion und über 100 Beschäftigten in Bereichen wie Forschung und Entwicklung zählt Takeda zu einem der größten Arbeitgeber in der Region. Die Bedeutung des Standorts für den Konzern selbst untermauerte Takeda zuletzt auch mit einer Investition in Millionenhöhe zur Erweiterung der Produktionsstätten in Singen. Durch den Neubau eines Produktionsgebäudes, das 2015 in Betrieb gehen soll, werden die Kapazitäten vor Ort deutlich erweitert und rund 100 neue Stellen geschaffen.

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