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Verapido Medical GmbH: kleine Nadeln mit großer Wirkung

Das Medizintechnik-Unternehmen Verapido Medical GmbH aus Villingen-Schwenningen entwickelt und produziert Geräte, mit denen flüssige Medikamente intradermal, also in statt unter die Haut verabreicht werden können. Die dafür eingesetzte Mikronadeltechnologie verspricht einige Vorteile gegenüber bereits angewandten Methoden zur Medikamentenverabreichung, wie beispielsweise eine bessere Wirkung des Medikaments, weniger Schmerzen für den Patienten sowie geringere Kosten.

Dr. Markus Clemenz (links) ist Geschäftsführer der Verapido Medical GmbH, die im April 2013 aus dem HSG-IMIT ausgegründet wurde. Rechts: Clemens Pecha, Geschäftsführer HSG-IMIT © HSG-IMIT

Intramuskulär, intravenös, subkutan - die Verabreichung flüssiger Medikamente kann auf verschiedene Weise durchgeführt werden. Eine Methode ist dabei die intradermale Injektion, bei welcher das Medikament direkt in die Haut verabreicht wird. „Die intradermale Gabe wird bislang nur selten eingesetzt, da es bisher keine Technologie gibt, um sie einfach, sicher und schnell durchzuführen“, erklärt Dr. Markus Clemenz, Gründer und Geschäftsführer der Verapido Medical GmbH. Bislang wurden intradermale Injektionen per Hand durchgeführt. „Dies wird mit Nachteilen wie mangelnder Standardisierung und Reproduzierbarkeit, Fehlern in der Injektionstiefe, einer schwierigen Prozedur und Unannehmlichkeiten für den Patienten verbunden“, erklärt Clemenz. Um das zu verändern, entwickelt und produziert das Medizintechnikunternehmen ein Gerät zur intradermalen Injektion sowie Infusion. Mit einer global patentierten Mikronadeltechnologie soll künftig die Gabe von Medikamenten nicht nur schmerzfrei, sondern auch kostengünstiger werden.

Schnelle und effiziente Wirkung des Medikaments

Schematische Darstellung der intradermalen Injektion mit Hilfe des von Verapido entwickelten Injektionsgeräts. © Verapido Medical GmbH

Bei der intradermalen Verabreichung dringt die Injektionsnadel und damit das Medikament nur in die obere Hautschicht ein und ist daher minimalinvasiv. Für den Patienten ist das weniger schmerzhaft und das potenzielle Risiko von Vernarbungen und Infektionen kann vermindert werden. Die so verabreichten Biotech-Moleküle, wie beispielsweise Insulin, Antikörper, Proteine oder Hormone, können schneller vom Körper absorbiert werden, wodurch eine höhere Bioverfügbarkeit erreicht wird.

„Damit manche Antikörper nach der herkömmlichen subkutanen Gabe überhaupt in nennenswertem Umfang im Körperkreislauf auftauchen, werden gelegentlich Enzyme (Hyaluronidasen) beigemengt, die das subkutane Gewebe zersetzen. Bei intradermaler Gabe kann hingegen auf diese Gewebszersetzer komplett verzichtet werden“, erklärt Clemenz. In der Haut findet man zudem eine hohe Konzentration von Immunzellen. Das hat den Vorteil, dass Wirkstoffe, die in die Haut verabreicht werden, gezielt und effizient auf das Immunsystem einwirken können, was bei Impfungen von Vorteil ist. „In klinischen Studien ist vielfach gezeigt worden, dass bei intradermaler Gabe bis zu 90 Prozent der Impfdosis eingespart werden kann, um den gleichen oder sogar einen besseren Effekt zu erzielen“, erläutert Clemenz.

„Bei Wissenschaftlern und Ärzten ist ein Paradigmenwechsel festzustellen. Medikamente sollen gezielt verabreicht werden, um die Effizienz der Wirkung zu verbessern und Nebenwirkungen zu vermeiden“, so Clemenz weiter. Theoretisch könnten alle Therapien und Anwendungen, deren Zielstruktur die Haut, das Immun- oder Lymphsystem ist, in Zukunft intradermal verabreicht werden. „Besonders Immunologen fordern die intradermale Verabreichung von Impfungen und Immuntherapien als präferierte Route, da der natürliche Eintritt von Krankheitserregern in den Körper durch die Haut erfolgt und deren natürliche Abwehr in der Haut durch das körpereigene Immunsystem auf natürliche Weise sehr präzise nachgeahmt wird“, erklärt Clemenz.

Injektionshilfe für handelsübliche Spritzen

Der Prototyp von Verapido Medical zur intradermalen Medikamentenverabreichung besteht aus einer sehr feinen Mikro-Stahlkanüle mit einem Außendurchmesser von lediglich 0,3 Millimetern, die geschützt in einem Kunststoffgehäuse liegt. Über eine genormte Verbindung wird bei der Anwendung beispielsweise eine handelsübliche Spritze aufgesteckt. Anschließend wird das Gerät auf die Haut aufgesetzt und die Kanüle in einem spitzen Winkel eingeführt. Daraufhin wird mit leichtem Druck in einer Tiefe von 0,7 Millimetern streng intradermal injiziert oder infundiert. Nach der Verabreichung wird die Kanüle automatisch in das Gehäuse zurückgezogen und ist geschützt. „Durch die sehr feine Kanüle und den flachen Stich spürt man meistens nichts. Hautfältchen, die sich bei der Einführung bilden können, werden durch einen leichten Rückzug geglättet“, erläutert Clemenz. Dadurch wird verhindert, dass nach der Injektion Flüssigkeit zurück in den Stichkanal fließen kann.

Großes Potenzial für vielseitige Anwendungen

„Es gibt bereits einige Wirkstoffe, die für die intradermale Gabe in der Entwicklung oder kurz vor der Zulassung stehen“, schildert Clemenz. Neben Verapido Medical gibt es außerdem noch weitere Unternehmen, die Geräte zur Medikamentenverabreichung in die Haut entwickeln. „Die Technologien der Konkurrenten injizieren jedoch senkrecht in die Haut. Das hat den Nachteil eines kurzen Stichkanals, der geöffnet bleibt, so dass die zugeführte Flüssigkeit wieder austreten kann. Aus diesem Grund können nur kleine Volumina bis 100 Mikroliter verabreicht werden“, erklärt Clemenz. Im Gegensatz zu den Konkurrenten bleibt die Technologie von Verapido Medical auch bei großen Volumina während der Verabreichung dicht und lässt nach der Injektion keine Flüssigkeit mehr durch den Stichkanal zurückfließen.

Aber auch für andere Bereiche ist eine Anwendung denkbar. Neben der Nadelführungstechnologie für die intradermale Injektion entwickelt Verapido Medical aktuell auch ein Produkt zur Dauerinfusion, das unter anderem für Insulinpumpen verwendet werden kann. „Wir planen außerdem auch, Geräte für die Tiergesundheit, subkutane Selbst-Injektion, Verabreichung von Botox, Insulingabe sowie Hypodermoklyse, eine schonende subkutane Infusion von Flüssigkeiten zu entwickeln“, verrät Clemenz.

Verapido Medical GmbH
Die Verapido Medical GmbH wurde im April 2013 im Rahmen des Förderprogramms EXIST-Forschungstransfer des BMWi aus dem HSG-IMIT ausgegründet und entwickelt Geräte für die intradermale Injektion sowie Infusion. Die zuvor am Institut HSG-IMIT erforschte Technologie entwickelt die Verapido Medical GmbH in Richtung Serienreife und Produktion weiter. Dabei arbeitet das Unternehmen auch nach der Ausgründung weiter eng mit dem HSG-IMIT zusammen.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/de/fachbeitrag/aktuell/verapido-medical-gmbh-kleine-nadeln-mit-grosser-wirkung/