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Gastbeitrag

Zwei Stipendiaten in Shanghai – Ein Bericht über eine prägende Reise in den Fernen Osten

Michi und Nico verließen Deutschland im Sommer 2015 im Rahmen eines Stipendiums des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (MWK), um in Shanghai in verschiedenen Forschungsgruppen der Biowissenschaften Auslandserfahrungen zu sammeln. In anfänglichem Kulturschock wurden neue Freundschaften geknüpft.

Am Abend des 31. Mai 2015 war es soweit: Unsere Wohnung war untervermietet, all unsere Sachen waren im Keller oder bei der Familie eingelagert und die Koffer waren schon seit Tagen gepackt – den Beschluss, nach China zu gehen, hatten wir etwa ein Jahr vorher gefasst. Und los ging es, ein halbes Jahr nach Shanghai.

Wir beide hatten das Glück, für das MWK-Programm "Forschungsaufenthalt für anwendungsorientierte Biowissenschaftler(innen) und Biotechnolog(inn)en in Shanghai und Jiangsu" zugelassen worden zu sein. Nico wurde an die East China University of Science and Technology (ECUST) in die Arbeitsgruppe von Professor Jian-He Xu eingeladen und Michi hatte einen Platz in der Arbeitsgruppe von Dr. Ke Lan am Institut Pasteur Shanghai ergattert.

Die ersten Wochen waren gefüllt von neuen Eindrücken, Kulturschock, der Organisation einer Wohnung inmitten eines chinesischen Wohnviertels und dem Einleben in unsere neuen Arbeitsgruppen und Projekte.

Glossar

  • Mit Kompetenz im biologischen Sinn ist die Eigenschaft eines Bakteriums gemeint, DNA von außen aufnehmen zu können.
  • Ein Virus ist ein infektiöses Partikel (keine Zelle!), das aus einer Proteinhülle und aus einem Genom (DNA oder RNA) besteht. Um sich vermehren zu können, ist es vollständig auf die Stoffwechsel der lebenden Zellen des Wirtsorganismus angewiesen (z.B. Bakterien bei Phagen, Leberzellen beim Hepatitis-A-Virus).
  • kb ist die Abkürzung für Kilobase. Diese Einheit für die Länge von DNA- oder RNA-Molekülen entspricht 1.000 Basen bzw. Basenpaaren der Nukleinsäure.
  • Ein Sarkom ist ein bösartiger Tumor des Stützgewebes (Bindegewebe, Knochen, Knorpel, Muskel, Fettgewebe). Sarkome sind dabei viel seltener als Karzinome (Tumore des Deckgewebes) und machen nur etwa 1% aller malignen Erkrankungen beim Menschen aus.
Gruppenfoto von einer Feier mit der Arbeitsgruppe von Dr. Ke Lan am Institut Pasteur Shanghai. © privat

Man kann sich wohl kaum eine Kultur vorstellen, die unterschiedlicher zur deutschen ist. Wir hatten im Sprachenzentrum der Universität Stuttgart zwar vorbereitend einen Chinesisch Sprachkurs (Basics) und einen interkulturellen Vorbereitungskurs besucht, aber das ganze live zu erleben ist nochmal eine ganz andere Nummer – es ist fantastisch. In unseren Laboren haben wir uns sehr schnell eingelebt und auch schnell Freundschaften geschlossen, die uns noch eine lange Zeit erhalten bleiben werden.

Auch die wissenschaftliche Seite kam nicht zu kurz: Nico hatte die Gelegenheit, sich in die Durchführung von molekulardynamischen Simulationen einzulernen und die Methoden in seinem Labor umzusetzen. Michi hat ihre Arbeitsgruppe bei der Untersuchung von molekularen Infektonsmechanismen des Kaposi's Sarkoma Virus unterstützt.

Die Chinesen verbringen allgemein sehr viel Zeit – auch an Wochenenden – an ihrem Arbeitsplatz, wobei für uns "foreigners" aber ein Auge zugedrückt wurde. So konnten wir unsere Wochenenden oft mit Reisen verbringen und dabei so viel von den wunderschönen und vielfältigen Naturereignissen Chinas erleben. Wir waren in der Hauptstadt Beijing im Norden, haben auf einem verlassenen Abschnitt der Chinesischen Mauer gecampt, sind mit den Fahrrädern durch das Karstgebirge von Yangshuo geradelt und haben uns die Reisernte in Yunhe angesehen. Eine Nacht wurden wir bei Einheimischen aufgenommen und bewirtet, haben auf Holzbetten geschlafen, an einem Drachenbootrennen teilgenommen und den wunderschönen West Lake in Hangzhou bei Nacht bewundert.

Grundsätzlich sind die Chinesen sehr daran interessiert, uns alles von ihrem Land zu zeigen, zu erzählen und vor allem davon kosten zu lassen. Hilfe beim anfänglichen Buchen von Tickets, beim Lesen von Rechnungen und allem anderen, was so anfällt, bekommt man immer. Und nach einiger Einarbeitungszeit mit intensiven Auseinandersetzungen mit Reisen und dem Onlineshopping-Paradies "TaoBao" sowie mit kompetenter Hilfe vom Google Translator findet man sich auch bald ganz gut ohne große Chinesisch-Kenntnisse zurecht.

Fazit Nico: „Die Erlebnisse und Eindrücke dieses riesigen Landes mit so vielen Menschen und dieser vollkommen anderen Kultur werden mich für immer prägen. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Erfahrung machen durfte.“

Fazit Michi: „Alles in allem eine der tollsten Zeiten unseres bisherigen Lebens!“

Wir möchten uns noch einmal herzlich bedanken bei Prof. Dr. Schmid für seine Hilfe beim Finden und der Vermittlung unserer Praktikumsstellen und überhaupt, dass er uns auf dieses Programm aufmerksam gemacht hat. Ohne ihn wäre diese Reise nicht möglich gewesen.

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