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Das Leber-Buch - auch für den Biologieunterricht geeignet

In Deutschland sind nach Schätzungen der Deutschen Leberstiftung 5 Millionen Menschen von Lebererkrankungen betroffen. Zunehmend sind auch Kinder und Jugendliche von der Krankheit der nichtalkoholischen Fettleber, ausgelöst durch starkes Übergewicht, betroffen. Um die Bevölkerung mit dem Thema Leber vertraut zu machen, hat die Deutsche Leberstiftung das „Leber-Buch“ herausgegeben. Teile des Buches sind durchaus für den ergänzenden Einsatz im Biologieunterricht geeignet.

Das Leber-Buch © Göttert/BIOPRO

Das im September 2010 erschienene Leber-Buch stellt die lebenswichtigen Aufgaben der Leber dar sowie ihre möglichen Erkrankungen und die entsprechenden Behandlungen. Und dies erfolgt erfreulicherweise sehr anschaulich mit gut geschriebenen Texten, die durch eine Vielzahl von Cartoons, Fotos und Schaubildern aufgelockert sind. In diesen werden klar verständlich die einzelnen Aussagen des Textes nochmals auf den Punkt gebracht. Außerdem ist eine Vielzahl von Text-Boxen eingestreut, die interessante Zusatzinformationen zum Thema Leber bieten. So wird beispielsweise die griechische Prometheus-Sage erwähnt als Beispiel für bereits antikes Wissen um die hohe Regenerationsfähigkeit der Leber. Oder hätten Sie gewusst, dass Leonardo da Vinci vermutlich als erster die Leberzirrhose nach der Autopsie eines über 100-jährigen makroskopisch beschrieben hat? Oder das die letzten Worte Ludwig van Beethovens im Zusammenhang mit seinem starken Wein-Konsum und einer Leberzirrhose stehen?

Bildungsplanrelevante Themen

Zur Unterstützung verschiedenster Bildungsplaninhalte kann das Leber-Buch durchaus herangezogen werden. So ist die richtige Ernährung und die Vermeidung von Krankheiten durch falsche Ernährung ein wichtiger Bestandteil des schulischen Unterrichts in den unterschiedlichsten Klassenstufen. Und als Feind Nr. 1 der Leber bezeichnen die Autoren des Leber-Buches das „Metabolische Syndrom“, zu dem Störungen des Stoffwechsels im Rahmen der Zuckerkrankheit (Diabetes Typ 2) und des Übergewichts gehören. Folge dieses Syndroms ist häufig die nicht-alkoholische Fettleber. Ein weiteres Thema des Bildungsplanes ist im Kursstufenunterricht für Biologie an allgemein bildenden Gymnasien der Bereich der angewandten Biologie. So sollen die Schüler auch Therapieansätze wie Organtransplantationen und Stammzellentherapie betrachten. Hierzu bietet sich der ergänzende Einsatz des Kapitels „Die Lebertransplantation“ an, in dem auch auf ethische Fragen zur gerechten Verteilung vorhandener Organe eingegangen wird. Und nicht zuletzt soll die Schule über die gesundheitlichen Gefahren, die mit dem Drogenkonsum verbunden sind, aufklären. Leider bietet das „Leber-Buch“ hierzu jedoch nur wenige tiefergehende Informationen. Dass der übermäßige Genuss von Alkohohl zu einer Alkohol-Fettleber führt, wird zwar kurz erwähnt und auch dass es bereits nach einmaligen Ecstasy-Konsum zu akutem Leberversagen kommen kann, ist Inhalt des Buches. Aber hier wäre eine ausführlichere Beschreibung wünschenswert gewesen. Oder zumindest der Fallbericht eines Erkrankten wie es am Ende des Buches der Fall ist. Hier erzählen zwei Betroffene ihre Geschichte einer heftigen Lebererkrankung ausgelöst durch eine Hepatitis-Infektion bzw. durch eine Immunkrankheit.

Insgesamt betrachtet lohnt es sich jedoch auf jeden Fall das „Leber-Buch“ für den Buchbestand des Biologiefachbereichs zu erwerben. Allein der günstige Preis von 14,95 € in Kombination mit dem gut aufbereiteten und leicht verständlichen Wissen rund um die Leber und den Einsatzmöglichkeiten des Buches auch als Unterstützung für GFS-Arbeiten von Seiten der Schüler spricht dafür.

Buchtitel: Das Leber-Buch
Autoren: Prof. Dr. med. Henryk Dancygier, Prof. Dr. med. Heiner Wiedemeyer, Dr. med. Markus Cornberg, Prof. Dr. med. Stefan Zeuzem, Prof. Dr. med. Michael P. Manns unter Mitarbeit von Alexander Hoffmann und Bianka Wiebner
Herausgeber: Deutsche Leberstiftung
ISBN 978-3-89993-588-2
Verlag: Schlütersche Verlagsgesellschaft
Preis: 14,95 €
Umfang: 160 Seiten

Glossar

  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) wird durch einen Mangel an Insulin hervorgerufen. Man unterscheidet zwei Typen. Bei Typ 1 (Jugenddiabetes) handelt es sich um eine Autoimmunkrankheit, bei der körpereigene Immunzellen die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse, die Insulin produzieren, zerstören. Typ 2 (Altersdiabetes) ist dagegen durch eine Insulinrestistenz (verminderte Insulinempfindlichkeit der Zielzellen) und eine verzögerte Insulinausschüttung gekennzeichnet.
  • Ein Gen ist ein Teil der Erbinformation, der für die Ausprägung eines Merkmals verantwortlich ist. Es handelt sich hierbei um einen Abschnitt auf der DNA, der die genetische Information zur Synthese eines Proteins oder einer funktionellen RNA (z. B. tRNA) enthält.
  • Stammzellen sind Zellen, die die Fähigkeit zur unbegrenzten Zellteilung besitzen und die sich zu verschiedenen Zelltypen ausdifferenzieren können. Stammzellen können aus Embryonen, fötalem Gewebe und aus dem Gewebe Erwachsener gewonnen werden. In Deutschland ist die Gewinnung embryonaler Stammzellen verboten.
  • Eine Hepatitis ist eine Entzündung des Lebergewebes mit nachfolgender Zellschädigung. Sie macht sich zunächst durch grippale Erscheinungen bemerkbar, wie Glieder- und Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Druck in der Magen- und Lebergegend und Fieber, später gehört die Gelbsucht zur Symptomatik. Verantwortlich dafür können Viren, Bakterien oder Parasiten sein, ebenso wie Autoimmunerkrankungen, Medikamente, Alkohol oder Chemikalien. Häufigste Ursache sind jedoch Viren, wobei man fünf Virustypen unterscheidet, die mit den Buchstaben A, B, C, D und E bezeichnet werden.
  • Als Transplantation bezeichnet man die Verpflanzung eines Transplantates (Zellen, Gewebe Organe). Es gibt verschiedene Transplantationsarten, die sich nach Herkunft, Funktion und Ort einteilen lassen. So wird bei einer xenogenen Transplantation ein Organ einer anderen Art transplantiert, während dagegen bei einer allogenen der Spender von einer Art stammt. Daneben gibt es noch die autologe Transplantation, bei der Spender und Empfänger dasselbe Individuum sind. Ist der Spender der eineiige Zwilling so spricht man von einer syngenen Transplantation. Eine alloplastische Transplantation wird das Transplantieren von künstlichem Material genannt. Bei Transplantationen werden Immunsuppressiva verabreicht, um die natürliche Abwehrreaktion des Körpers gegenüber Fremdstoffen zu unterbinden und damit das Transplantat im Körper zu erhalten. Die Zulässigkeit der Organspenden wird durch das Transplantationsgesetz (TPG) seit 1997 in Deutschland geregelt. Tritt Hirntod ein, muss ein Familienangehöriger der Entnahme zustimmen oder ein entsprechender Organspendeausweis des Spenders vorliegen. Am Häufigsten werden heutzutage Niere, Augenhornhaut, Herz und Leber transplantiert.
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