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ERC Starting Grants 2012: Baden-Württemberg überdurchschnittlich erfolgreich

Am 10. September 2012 hat der Europäische Forschungsrat (ERC) die Preisträger der diesjährigen „Starting Grants“ veröffentlicht. Im Bereich Life Sciences steht Baden-Württemberg mit 13 der insgesamt 34 landesweit verliehenen Grants an der Spitze Deutschlands. Damit gehen etwa 20 Millionen Euro in die Lebenswissenschaften Baden-Württembergs.

Mit 4.741 Anträgen erreichte die 5. Ausschreibung der ERC Starting Grants die höchste Bewerberzahl seit 2007. Ein weiterer Superlativ ist die Anzahl der tatsächlich geförderten Projekte: 536 Forschungsvorhaben aus den Bereichen „Lebenswissenschaften“, den „Sozial- und Geisteswissenschaften“ und den „Physik und Ingenieurswissenschaften“ werden mit rund 800 Millionen Euro unterstützt. Damit liegt die diesjährige Erfolgsquote bei 11,3 Prozent. Ausgezeichnet wurden Wissenschaftler mit 41 unterschiedlichen Nationalitäten, aus 21 verschiedenen EU-Ländern.

Im internationalen Vergleich liegen deutsche Einrichtungen mit insgesamt 78 verliehenen Grants auf Platz 2. Davon sind allein 34 für Forschungsvorhaben im Bereich Life Sciences vergeben worden.

In Baden-Württemberg geförderte Wissenschaftler

Im Folgenden finden Sie eine Kurzinformation über die diesjährigen Preisträger (in alphabetischer Reihenfolge) in Baden-Württemberg im Bereich Life Sciences. Einen tieferen Einblick geben die zu verschiedenen Forschern bereits in unserem Portal publizierten Porträts.

Dr. Wolfram Antonin ist Max-Planck-Forschungsgruppenleiter der Arbeitsgruppe „Dynamik der Kernhülle“ am Friedrich-Miescher-Laboratorium in Tübingen. Die durch den Starting Grant verliehenen Forschungsgelder will er in das Projekt DNA-Dekondensation investieren.

Dr. Martin Beck
beschäftigt sich am European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg mit der Struktur, der Funktion und der Organisation des Kernporenkomplexes. Für sein Projekt „Atlas of cell-type specific nuclear pore complex structures“ wird er nun mit dem Starting Grant gefördert.

Dr. Fulvia Bono
ist Forschungsgruppenleiterin am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen. Sie erhielt ihren Starting Grant für das Projekt „Towards a mechanistic understanding of mRNA localization“.

Der Mikrobiologe und Immunologe Prof. Dr. Andreas Diefenbach forscht am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene des Universitätsklinikums Freiburg. Mit Hilfe des ihm verliehenen Starting Grants in Höhe von 1,5 Millionen Euro will er den Einfluss von Nährstoffen auf das Immunsystem des Darms untersuchen.

Der Biochemiker Biochemie und der Bau von Ammonium-Maschinen" href="https://www.gesundheitsindustrie-bw.dewww.bio-pro.de/standort/5_bioregionen/bioregio_freiburg/index.html?lang=de&artikelid=/artikel/08475/index.html" target="_blank">Prof. Dr. Oliver Einsle vom Institut für Organische Chemie und Biochemie der Universität Freiburg erhält einen auf 1,64 Millionen Euro dotierten Starting Grant. Er untersucht die Struktur und Funktionsweise der Nitrogenase, ein für die Stickstofffixierung unerlässliches Enzym. Mit Hilfe der Fördergelder aus dem Grant will er das bisher gewonnene Wissen ausbauen und in ein künstliches System übertragen.

Dr. Ana Jesús García Sáez untersucht am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Stuttgart dynamische Protein-Membran-Interaktionen und erhält für ihr Projekt „The quantitative Bcl-2 interactome in apoptosis: decoding how cancer cells escape death“ ebenfalls einen ERC Starting Grant.

Die Forschungsgruppe von DNA-Knäuel" href="https://www.gesundheitsindustrie-bw.dewww.bio-pro.de/magazin/wissenschaft/archiv_2011/index.html?lang=de&artikelid=/artikel/07406/index.html" target="_blank">Dr. Patrick Heun, Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg, beschäftigt sich mit der räumlichen Organisation und der Struktur von Chromosomen sowie deren Vererbung in der Fruchtfliege Drosophila melanogaster. Mit den Mitteln aus dem ERC Starting Grant in Höhe von 1,75 Millionen Euro wird er seine Forschung nun weiter ausbauen.

Dr. Michael Hothorn
ist Max-Planck-Forschungsgruppenleiter auf dem Gebiet der Strukturbiologie der Pflanzen am Friedrich-Miescher-Laboratorium in Tübingen. Er untersucht die Signalleitung in Pflanzenzellen. Für sein Projekt „Identity and functions of polyphosphate polymerases in eukaryotes“ wurde er vom ERC mit einem Starting Grant ausgezeichnet.

Der Geomikrobiologe Bakterien mit Nutzwert" href="https://www.gesundheitsindustrie-bw.dewww.bio-pro.de/standort/5_bioregionen/bioregion_stern/index.html?lang=de&artikelid=/artikel/05701/index.html" target="_blank">Prof. Dr. Andreas Kappler vom Fachbereich Geowissenschaften der Universität Tübingen erhält einen Starting Grant für das Projekt: „Mikrobielle Bildung von Mineralen durch Gemeinschaften von eisenoxidierenden Bakterien in der Natur und auf der frühen Erde“. Mit 1,5 Millionen Euro unterstützt der ERC nun seine weitere Forschung.

Der Paläogenetiker Prof. Dr. Johannes Krause vom Institut für Naturwissenschaftliche Archäologie der Universität Tübingen erhält einen Starting Grant in Höhe von 1,5 Millionen Euro. Er erforscht die Evolution von Infektionskrankheiten im Zusammenhang mit historischen Pandemien.

Der Juniorprofessor des Exzellenzclusters Simulation Technology (SimTech) Dr. Oliver Röhrle wird mit einem Starting Grant im Wert von über 1,6 Millionen Euro ausgezeichnet. Damit wird seine Forschungsgruppe Biomechanik an der Universität Stuttgart unterstützt, die mit Hilfe simulierter Bewegungsabläufe zur Verbesserung von Beinprothesen beiträgt.

Dr. Carmen Ruiz de Almodóvar Egea
ist Gruppenleiterin am Biochemistry Center (BZH) der Universität Heidelberg und erforscht die molekularen und zellulären Gemeinsamkeiten von Blutgefäß- und Nervensystem. Für ihr Projekt “Neuro-vascular communication in the neural tube during development” erhält sie den ERC Starting Grant.

Der Mediziner Dr. Jan Wehkamp untersucht am Dr. Margarete Fischer-Bosch-Institut für klinische Pharmakologie des Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhauses die Ursachen chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen. Seine weitere Forschung wird nun durch Gelder des Starting Grants gefördert.

Was sind die ERC Starting Grants?

Der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) ist eine von der Europäischen Kommission gegründete Behörde, die Forschungsvorhaben in Europa finanziert. Ihr Ziel ist es, die als Pionierforschung bezeichnete grundlagenorientierte Forschung zu fördern und somit den europäischen Forschungsraum attraktiv und vor allem wettbewerbsfähig zu gestalten.

Die ERC Starting Grants richten sich an junge Nachwuchswissenschaftler, die im Anschluss an ihre Promotion zwei bis sieben Jahre Erfahrung gesammelt haben und eine „vielversprechenden Erfolgsbilanz“ aufweisen können. Dazu gehören Veröffentlichungen in namhaften Fachzeitschriften sowie zahlreiche Präsentationen auf anerkannten internationalen Konferenzen, Auszeichnungen, Preise, Patente usw. Jedes Projekt kann dabei mit maximal zwei Millionen Euro für eine Dauer von bis zu fünf Jahren gefördert werden. Die Forschungsarbeiten müssen darüber hinaus in einer Einrichtung eines EU-Mitglied- oder assoziierten Staates durchgeführt werden.

Glossar

  • Bakterien sind mikroskopisch kleine, einzellige Lebewesen, die zu den Prokaryoten gehören.
  • Chromosomen sind die unter dem Mikroskop sichtbaren Träger der Erbanlagen. Die Anzahl der im Zellkern vorhandenen Chromosomen ist artspezifisch. Beim Menschen sind es zweimal 23. Mit Ausnahme der Geschlechtschromosomen liegen Chromosomen in Körperzellen sowie in befruchteten Eizellen paarweise als sog. homologe Chromosomen vor. In den Keimzellen ist nach Abschluss der Reifungsteilungen nur ein einfacher Chromosomensatz vorhanden.
  • Desoxyribonukleinsäure (DNS / DNA) trägt die genetische Information. In den Chromosomen liegt sie als hochkondensiertes, fadenförmiges Molekül vor.
  • Enzyme sind Katalysatoren in der lebenden Zelle. Sie ermöglichen den Ablauf der chemischen Reaktionen des Stoffwechsels bei Körpertemperatur.
  • Immunologie ist eine Wissenschaft, die sich u. a. mit den Abwehrreaktionen von Mensch und Tier gegen Organismen wie Bakterien, Pilze und Viren, aber auch mit Abwehrreaktionen gegen fremde Zellen und Gewebe bzw. gegen eigene Zellen und Gewebe (Autoimmunreaktionen) beschäftigt.
  • Aufgabe der Life Sciences ist die Erforschung, Entwicklung und Vermarktung von Produkten, Technologien und Dienstleistungen auf Basis der modernen Biotechnologie.
  • Proteine (oder auch Eiweiße) sind hochmolekulare Verbindung aus Aminosäuren. Sie übernehmen vielfältige Funktionen in der Zelle und stellen mehr als 50 % der organischen Masse.
  • Die Ribonukleinsäure (Abk. RNS oder RNA) ist eine in der Regel einzelsträngige Nukleinsäure, die der DNA sehr ähnlich ist. Sie besteht ebenfalls aus einem Zuckerphosphat-Rückgrat sowie einer Abfolge von vier Basen. Allerdings handelt es sich beim Zuckermolekül um Ribose und anstelle von Thymin enthält die RNA die Base Uracil. Die RNA hat vielfältige Formen und Funktionen; sie dient z. B. als Informationsvorlage bei der Proteinbiosynthese und bildet das Genom von RNA-Viren.
  • Neuron ist der Fachausdruck für Nervenzelle. Diese besteht aus einem Zellkörper, einem Axon und Dendriten.
  • Biochemie ist die Lehre von den chemischen Vorgängen in Lebewesen und liegt damit im Grenzbereich zwischen Chemie, Biologie und Physiologie.
  • Das Immunsystem ist das körpereigene Abwehrsystem von Lebewesen, das Gefahren durch Krankheitserreger abwenden soll. Es schützt vor körperfremden Substanzen und vernichtet anormale (entartete) Körperzellen. Dies wird durch ein komplexes Zusammenspiel mehrerer Organe, Zelltypen und chemischer Moleküle vermittelt.
  • Molekular bedeutet: auf Ebene der Moleküle.
  • Die Pharmakologie ist eine Wissenschaft, die sich mit der Wechselwirkung zwischen Arzneimitteln und Organismen befasst. Dabei gibt es zwei Verfahren zur Beurteilung: Die Pharmakokinetik beschreibt die Aufnahme, Verteilung, Verstoffwechselung und Ausscheidung des Wirkstoffs, die Pharmakodynamik beschreibt die Wirkung des Arzneimittels im Organismus.
  • Die Epigenetik beschäftigt sich mit den vererbbare Veränderungen in der Genexpression, die nicht auf Abweichungen in der Sequenz der DNA zurückzuführen sind.
  • Messenger-RNA (Abk.: mRNA) ist eine Ribonukleinsäure, die eine Kopie eines kurzen DNA-Stücks darstellt und als Vorlage für die Synthese eines spezifischen Proteins dient.
  • Bei der Pandemie wird eine (Infektions-) Krankheit länder- und kontinentübergreifend verbreitet. Abgeschiedene Gebiete, wie einsame Inseln, manche Urwälder oder Gebirgstäler, können vor einer Infektion verschont bleiben.
  • Als Target (engl.:Ziel) werden Biomoleküle bezeichnet, an die Wirkstoffe binden können. Targets können Rezeptoren, Enzyme oder Ionenkanäle sein. Die Interaktion zwischen Wirkstoff und Target löst eine Wirkstoff-Target-spezifische Reaktion aus. Die Identifikation eines Targets ist für die biomedizinische und pharmazeutische Forschung von großer Bedeutung. Erkenntnisse über spezifische Wechselwirkungen helfen grundlegende molekularbiologische Vorgänge zu verstehen und neue Angriffpunkte für Arzneimittel zu identifizieren.
Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/de/fachbeitrag/aktuell/erc-starting-grants-2012-baden-wuerttemberg-ueberdurchschnittlich-erfolgreich/