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Neuartiger Sonnenschutz ermöglicht sanfte Therapien

Wie wichtig das Sonnenlicht für die Gesundheit eines Menschen ist, zeigt sich vor allem dann, wenn man zu wenig davon abbekommt. Ein Paradebeispiel ist die durch einen Vitamin-D-Mangel ausgelöste, im Volksmund als „Englische Krankheit“ bezeichnete Rachitis. Doch zu viel Sonne kann auch gefährlich sein. Das Empfinger Unternehmen HelioVital hat jetzt eine Spezialfolie entwickelt, mit der sich die positiven Effekte der Sonne therapeutisch nutzen lassen, ohne dass die Haut Schaden nimmt.

Bei ausreichender Sonneneinstrahlung kann der menschliche Körper das für den Kalzium- und Phosphatstoffwechsel wichtige Vitamin D in der Haut selbstständig bilden. Fehlt die Sonne - beispielsweise in den Wintermonaten oder durch bewusste Vermeidung - ist dieser Prozess empfindlich gestört. Die Knochen der betroffenen Kinder sind außergewöhnlich weich und verformen sich unter dem Druck des eigenen Körpergewichts. Bei Erwachsenen gilt der Vitamin-D-Mangel hingegen als wichtiger Risikofaktor für das Auftreten osteoporosebedingter Knochenbrüche.

Während eine Rachitis heutzutage aber auch durch die Einnahme entsprechender Vitaminpräparate vermieden werden kann, bleibt das Sonnenlicht in der Behandlung bestimmter Hauterkrankungen unverzichtbar. Seit langem weiß man, dass sich die Symptome einer Schuppenflechte (Psoriasis) oder Neurodermitis während der Sommermonate oft dramatisch bessern. Um diesen Effekt therapeutisch gezielter nutzen zu können, wurden künstliche Lichtquellen entwickelt, die ein der Natur nachgeahmtes Sonnenlicht erzeugen. Diese werden mit großem Erfolg auch bei der Behandlung anderer Erkrankungen, beispielsweise einer klassischen Winterdepression, eingesetzt. Zudem ist eine sonnengebräunte Haut für viele Menschen inzwischen ein wichtiger kosmetischer Faktor geworden.

Bräune ohne Sonnenbrand

Doch zu viel Sonne kann gefährlich sein. Auf eine übermäßige UV-Strahlenbelastung reagiert die Haut akut mit einem schmerzhaften Sonnenbrand. Bei wiederholter Schädigung kommt es zu vorzeitiger Hautalterung, zudem ist das Risiko für die Entstehung bestimmter Hautkrebsarten deutlich erhöht. In der Vergangenheit hat die Industrie deshalb zahlreiche Sonnenschutzcremes mit einem immer höheren Lichtschutzfaktor entwickelt - doch zum einen ist deren Wirkung begrenzt, zum anderen können sie bei empfindlichen Personen unerwünschte allergische Reaktionen hervorrufen.

Klaus Lang ist Geschäftsführer von HelioVital. © HelioVital

Eine neuartige Lösung entwickelte jetzt das Unternehmen HelioVital mit Sitz in Empfingen auf der Schwäbischen Alb. Deren Schutzfolien auf Polymerbasis sind in der Lage, bestimmte Wellenlängen im Bereich der UV-Strahlung, die als besonders schädlich gelten, selektiv aus dem Sonnenlicht herauszufiltern. „Man weiß heute, dass vor allem der energiereichere UVB-Anteil mit einer Wellenlänge zwischen 280 und 320 Nanometern für die Entstehung eines Sonnenbrandes verantwortlich ist", berichtet Diplom-Wirtschaftsingenieur Klaus Lang, Geschäftsführer von HelioVital. Die Folien von HelioVital sind so konzipiert, dass sie nur noch einen kleinen Teil der UVB-Strahlung durchlassen. Wer sich zum Sonnenbaden jetzt unter ein von der Firma entwickeltes Sonnenzelt legt, kann wunderbar braun werden, ohne einen Sonnenbrand fürchten zu müssen.

„Die Pigmentierung der Haut erfolgt in diesem Fall vorwiegend durch die langwelligeren UVA-Strahlen", erläutert Lang. Diese können zwar über die Bildung von freien Radikalen in den Zellen typische DNA-Schäden verursachen, die gerade bei der lichtbedingten Hautalterung eine wichtige Rolle spielen, aber die Filterfunktion der HelioVital-Folie führt auch hier zu einer Abschwächung der unerwünschten Reaktionen. Eine vom Land Baden-Württemberg geförderte Studie an der Universitäts-Hautklinik Tübingen konnte zeigen, dass in Zellen, bei denen das UVA-Licht durch eine entsprechende Folie gefiltert wird, deutlich weniger Mutationen auftreten, als wenn es ungeschützt auf die Zellen trifft. „Die biologischen Mechanismen, die hier von Bedeutung sind, sind im Detail noch gar nicht verstanden", weiß Lang, „aber die Schutzwirkung der Folien war so effektiv, dass sogar die Fachleute staunten."

Urlaub am Toten Meer - im eigenen Garten

Doch die Erfindung von HelioVital soll den Menschen jetzt nicht nur zu einer gesunden Bräune verhelfen, sondern auch in der Therapie bestimmter Krankheiten einen Nutzen bringen. Die Symptome einer Schuppenflechte sprechen beispielsweise besonders gut auf UV-Strahlen der Wellenlänge 290 bis 320 Nanometer an. Dieses Spektrum lässt sich mit Hilfe von teuren UV-Lichtröhren künstlich erzeugen, findet sich aber natürlicherweise - bedingt durch die besondere geografische Lage - auch in dem Gebiet rund um das Tote Meer.

Sonnenbrand adé: Mit dem Sonnenschutz von HelioVital kann man sich nicht nur gefahrlos bräunen, sondern auch zahlreiche Hauterkrankungen auf schonende Weise therapieren. © HelioVital

„Durch Modifikationen im Aufbau der Polymere können wir mit unseren Folien eine bis auf fünf Nanometer genaue Filtration des Sonnenlichtes erzielen“, so Lang, „dadurch ist es möglich, die UV-Situation am Toten Meer fast exakt nachzubilden.“ Patienten mit einer Schuppenflechte können somit zukünftig am Ort ihrer Wahl Urlaub machen - und trotzdem etwas für ihr Wohlbefinden tun. Selbst mit den therapeutisch genutzten künstlichen Lichtquellen lässt sich jetzt schnell und kostengünstig jedes beliebige UV-Spektrum erzeugen.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten eröffnen Perspektiven

An den Hightech-Folien von HelioVital, die 2008 für den begehrten Deutschen Zukunftsaward nominiert und von der Initiative Mittelstand mit dem Industriepreis in der Kategorie "Medizintechnik" ausgezeichnet wurden, besteht inzwischen weltweites Interesse. Am Cedars Jebel Ali International Hospital in Dubai ist im Rahmen eines Kooperationsprojektes mit dem Land Baden-Württemberg eine Abteilung in Planung, die sich gezielt mit der therapeutischen Nutzung dieser UV-Schutzfolien beschäftigen soll. „Kürzlich hatten wir sogar eine Anfrage aus Pakistan, wo man unser Produkt beim Neubau eines Krankenhaus verwenden will“, berichtet Lang. Der Tüftler hat nämlich eine Möglichkeit gefunden, wie sich die Folien auch in die Verglasung von Gebäuden einarbeiten lassen.

Wenn es um die Herstellung seiner Produkte geht, greift der international tätige Geschäftsmann bevorzugt auf Unternehmen in der Region zurück. Durch eine enge Zusammenarbeit mit der textilverarbeitenden Industrie rund um Albstadt ist es Lang gelungen, seine Hightech-Folie zu einem äußerst günstigen Preis fertigen zu lassen. Sehr fruchtbar gestaltet sich zudem die Kooperation mit der Fachhochschule Albstadt, die gerade erst den neuen Studiengang „Technische Textilien“ ins Leben gerufen hat. „Wenn wir die vielen positiven Wirkungen der Sonne für den Menschen nutzbar machen wollen, brauchen wir natürlich Leute mit guten Ideen,“ betont Lang. Denn die Einsatzmöglichkeiten für die HelioVital-Folien - da ist sich der Unternehmer ganz sicher - sind noch lange nicht ausgeschöpft.

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